Energiewende sichern: Jade Hochschule entwickelt KI für stabile Stromnetze
Künstliche Intelligenz soll Netzengpässe vorhersagen und automatisch beheben
Wilhelmshaven. Der massive Ausbau erneuerbarer Energien stellt Netzbetreiber vor eine komplexe Aufgabe: Wenn Wind und Sonne schwankende Mengen Strom einspeisen, geraten die begrenzten Netzkapazitäten schnell an ihre Grenzen. Bestehende Computermodelle sind oft fehleranfällig und können Engpässe zwar vorhersagen, aber selten automatisch lösen. Hier setzt das neue Forschungsprojekt GOMATE (Green Energy Optimization and Monitoring with Advanced Technological Expertise) an der Jade Hochschule an.
Vom 1. Januar dieses Jahres bis Ende 2027 arbeiten Forschende daran, die Stromversorgung mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) effizienter und sicherer zu machen. Das Vorhaben wird mit rund 270.000 Euro durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.
Intelligente Dialoge mit dem Stromnetz
„Unser Ziel ist es, Methoden zu entwickeln, um Netzmodelle und Netzzustände automatisiert prüfen und optimieren zu können“, erklärt Prof. Dr. Ammar Memari, Projektleiter von GOMATE. Bisherige Netzmodelle enthalten häufig Strukturfehler, die Simulationen erschweren. Der neue Ansatz der Jade Hochschule speichert das Stromnetz als sogenannten Wissensgraphen. Dies erlaubt eine tiefgehende Prüfung der Netzstruktur, durch die selbst versteckte logische Widersprüche sofort sichtbar werden.
Eine besondere Innovation ist zudem die interaktive Entscheidungshilfe: Netzbetreiber sollen künftig in natürlicher Sprache Fragen an das System stellen können – etwa „Wie lässt sich die drohende Überlastung am besten beheben?“ – und erhalten fundierte, datenbasierte Antworten. „So wollen wir Netzentscheidungen transparent, nachvollziehbar und effizient gestalten“, führt Memari weiter aus.
Doch auch bei der aktiven Behebung von Engpässen ist Unterstützung nötig: Durch die Vielzahl an möglichen Steuerungsoptionen entsteht ein sogenannter riesiger Suchraum, der klassische Berechnungsmethoden oft überfordert. Hier setzen die GOMATE-Algorithmen an, um aus den unzähligen Handlungsmöglichkeiten effizient die beste Lösung zur Netzstabilisierung zu filtern.
Aus der Theorie in die Praxis
Damit die Forschung nicht im Labor bleibt, kooperiert die Hochschule eng mit der emsys grid services GmbH. Während das Team um Memari für die KI-Entwicklung und semantische Modellierung zuständig ist, übernimmt der Industriepartner die praxisnahe Validierung.
Jan Rosenkranz, Geschäftsführer von emsys grid services, sieht in der Kooperation großes Potenzial.
„Für uns ist GOMATE ein wichtiger Baustein, um neueste Technologien direkt in die operative Praxis zu überführen. Durch die intelligente Verknüpfung von Netzdaten und KI können wir unseren Kunden künftig noch präzisere Prognosen und effizientere Steuerungsmöglichkeiten bieten – ein entscheidender Wettbewerbsvorteil in einem immer komplexer werdenden Energiemarkt.“
Das Ergebnis soll eine Software sein, die technische Daten automatisch in Handlungsempfehlungen übersetzt. Für Netzbetreiber bedeutet dies weniger manuelle Eingriffe, optimierte Kosten durch weniger Abregelungen und eine höhere regulatorische Sicherheit.
Die Jade Hochschule mit ihren drei Studienorten im Nordwesten Deutschlands sieht sich in der Verantwortung für die Entwicklung der Region, in der sie stark verwurzelt ist. Hier trifft ein breites und modernes Fächerangebot auf innovative Formen der Lehre. Die Forschungstätigkeiten der Jade Hochschule zeichnen sich durch einen hohen Praxisbezug aus, die in Kooperation mit Unternehmen, Verbänden und anderen Institutionen sowie Hochschulen und Forschungseinrichtungen durchgeführt werden.