Deutsch-ukrainisches Lehr- und Forschungsprojekt offiziell gestartet
Jade Hochschule initiiert DAAD gefördertes Projekt zur Rekonstruktion in der Ukraine
Oldenburg. Gemeinsam mit deutschen und ukrainischen Partnerhochschulen startet am heutigen Donnerstag an der Jade Hochschule offiziell ein neues Lehr- und Forschungsprojekt. Ziel des Vorhabens ist es, ukrainische Studierende und Wissenschaftler_innen gezielt für den Wiederaufbau kriegszerstörter Gebäude und Infrastruktur zu qualifizieren.
Das Projekt trägt den Titel „Moderne Online-Lehrformate für geodätische Verfahren zur Rekonstruktion in der Ukraine (kurz: GeoRek) und ist auf eine Laufzeit von vier Jahren angelegt. Die Projektleitung liegt bei Prof. Dr. Till Sieberth und Prof. Dr. Thomas Luhmann vom Institut für Angewandte Photogrammetrie an der Jade Hochschule. Gefördert wird das Vorhaben vom Deutschen Akademischen Austauschdienst im Rahmen des Deutsch-Ukrainischen Hochschulnetzwerks mit rund 800.000 Euro.
Im Fokus: Qualifikation für den Wiederaufbau
GeoRek knüpft an langjährige Kooperationen der Jade Hochschule mit ukrainischen Universitäten an. Partner sind die Kyjiwer Nationale Universität für Bauwesen und Architektur, die Nationale Technische Universität Dniproer Polytechnikum (DniproTech) sowie der Lehrstuhl für Digitale Denkmaltechnologien der Universität Bamberg. Im Mittelpunkt des Projektes steht die Aus- und Weiterbildung im Bereich moderner geodätischer Mess- und Dokumentationsverfahren.
„An vielen Universitäten fehlen derzeit sowohl die technischen Ausstattungen als auch spezialisierte Kenntnisse, die für die präzise Erfassung und Rekonstruktion beschädigter Bauwerke notwendig sind. Hier setzt das Projekt mit digitalen Lehr- und Transferangeboten an.“
Prof. Dr. Till Sieberth, Projektleiter GeoRek
Ein zentraler Baustein ist die Weiterentwicklung eines virtuellen Laserscanner-Simulators, der bereits in einem Vorgängerprojekt entstanden ist (https://vrscan3d.com/). „Mit VRscan3D können Studierende und Praktiker die Abläufe der dreidimensionalen Datenerfassung mit statischen und mobilen Laserscannern realitätsnah erlernen und das ohne den Einsatz kostenintensiver Messgeräte“, führt Prof. Dr. Thomas Luhmann weiter aus, der seit 2011 Projekte in der Ukraine umsetzt und neben Sieberth die Projektleitung innehat.
Weiterentwicklung eines virtuellen Laserscanner-Simulators als zentraler Baustein
Darüber hinaus werden modulare Lernangebote entwickelt, die sowohl in die regulären Studiengänge integriert als auch für Weiterbildungsangebote genutzt werden können. Ein zentraler Baustein ist die Weiterentwicklung eines virtuellen Laserscanner-Simulators, der bereits in einem Vorgängerprojekt entstanden ist (https://vrscan3d.com/).
„Mit VRscan3D können Studierende und Praktiker die Abläufe der dreidimensionalen Datenerfassung mit statischen und mobilen Laserscannern realitätsnah erlernen und das ohne den Einsatz kostenintensiver Messgeräte.“
Prof. Dr. Thomas Luhmann
Luhmann setzt seit 2011 Projekte in der Ukraine um und hat neben Sieberth die Projektleitung inne. Darüber hinaus werden modulare Lernangebote entwickelt, die sowohl in die regulären Studiengänge integriert als auch für Weiterbildungsangebote genutzt werden können.
Rund 370 ukrainische Hochschulen beschädigt
Geplant sind zudem gemeinsame Intensivwochen mit deutschen und ukrainischen Studierenden in Oldenburg, Bamberg, Kiew und Dnipro. Ziel ist es, moderne Verfahren des Laserscannings und der Photogrammetrie unter realen Bedingungen praktisch zu erproben. Ergänzend dazu werden vor Ort Fallstudien an beschädigten Gebäuden und technischer Infrastruktur in Zusammenarbeit mit ukrainischen Behörden und Fachleuten durchgeführt. Sofern die Sicherheitslage dies erlaubt, sollen Projektteilnehmer_innen aus Deutschland 2027 in die Ukraine reisen, um den direkten Austausch und die Zusammenarbeit weiter zu intensivieren.
An der offiziellen Auftaktveranstaltung nahmen neben den Projektpartner_innen auch Vertreter aus Politik und Wissenschaft teil, darunter Moritz Dütemeyer, Leiter des Referats Europa im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, sowie Natalyia Butych, Vorstandsmitglied der Deutsch-Ukrainischen Akademischen Gesellschaft. Prof. Dr. Mykola Trehub von der DniproTech schilderte in einem Vortrag die aktuelle Lage an ukrainischen Hochschulen. Rund 370 von ihnen seien beschädigt, davon etwa jede zehnte vollständig zerstört. Hinzu kämen anhaltende Einschränkungen in der Energie- und Versorgungsinfrastruktur, die Forschung und Lehre erheblich beschweren.
Über das Projekt
GeoRek leistet einen Beitrag zum Technologie- und Wissenstransfer, zur Internationalisierung der beteiligten Hochschulen und zum interkulturellen Austausch. Das Projekt unterstützt ukrainische Partner konkret bei den praktischen Herausforderungen des Wiederaufbaus und stärkt die langfristige Zusammenarbeit zwischen deutschen und ukrainischen Hochschulen.
Moritz Dütemeyer, Leitung Referat Europa des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur
„Die Bilder von der stark zerstörten Universität Mykolajiw führen uns immer wieder aufs Neue vor Augen, dass ein Kooperationsprojekt wie GeoRek so wichtig ist wie nie. Es befähigt den wissenschaftlichen Nachwuchs, die Zukunft der Ukraine zu gestalten, und sendet damit eine starke Botschaft.“
Natalya Butych, Vorstand der Deutsch-Ukrainischen Akademischen Gesellschaft
„GeoRek ist nicht nur wichtig, um Daten zusammenzuführen und Wissen auszutauschen – die Kooperation hat vor allem das Potenzial, die Ukraine dabei zu unterstützen, mit der derzeitigen Situation umzugehen und sie zu bewältigen.“
Prof. Dr. Mykola Trehub, Nationale Technische Universität Dniproer Polytechnikum
„Auch unter sehr erschwerten Bedingungen versuchen wir, den akademischen Betrieb in der Ukraine aufrechtzuerhalten. Das ist wesentlich, um Lösungen zu entwickeln für den Wiederaufbau der zivilen Infrastruktur, von Wohngebieten, Kulturdenkmälern und Industriegebäuden. Dabei ist die Hilfe internationaler Partner unverzichtbar.“
Die Jade Hochschule mit ihren drei Studienorten im Nordwesten Deutschlands sieht sich in der Verantwortung für die Entwicklung der Region, in der sie stark verwurzelt ist. Hier trifft ein breites und modernes Fächerangebot auf innovative Formen der Lehre. Die Forschungstätigkeiten der Jade Hochschule zeichnen sich durch einen hohen Praxisbezug aus, die in Kooperation mit Unternehmen, Verbänden und anderen Institutionen sowie Hochschulen und Forschungseinrichtungen durchgeführt werden.