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Herausforderung Führung an Hochschulen

Prof. Dr. Peter Scharff spricht über institutionelle und persönliche Anforderungen an Führungskräfte

Vielfältige Aufgaben und Erwartungen sowie ein unklares Rollenverständnis machen führen an Hochschulen mitunter zu einer Herausforderung. (Foto: pexels)
Vielfältige Aufgaben und Erwartungen sowie ein unklares Rollenverständnis machen führen an Hochschulen mitunter zu einer Herausforderung. (Foto: pexels)

Im vergangenen Jahr hat die Jade Hochschule unter Bezugnahme auf ihr Leitbild die Leitlinien für gute Führung erarbeitet. In einer Veranstaltungsreihe wird das Thema Führung seitdem aus verschiedenen Perspektiven betrachtet – so auch in dem Vortrag von Prof. Dr. Peter Scharff am 27. April. Als langjähriger Rektor der Technischen Universität Ilmenau befasste sich Scharff mit der besonderen Situation von Führungskräften an einer Hochschule und gab Einblicke in die institutionellen Herausforderungen sowie in die persönlichen Anforderungen an Führungskräfte. Dass Wunsch und Realität dabei zuweilen auseinanderliegen, bliebe nicht immer aus, so Scharff.

Veränderte Rahmenbedingungen, vielfältige Aufgaben und Erwartungen 

Führungskräfte müssten ihre Aufgaben unter veränderten Rahmenbedingungen wahrnehmen, sei es die Internationalisierung, Digitalisierung, verstärkte Profilbildung der Hochschulen oder auch die zunehmende Geschwindigkeit von Veränderungen. Der akademische Bereich sei geprägt von der Freiheit von Lehre und Forschung sowie der akademischen Selbstverwaltung. Dem Thema Führungskompetenz werde hier mitunter wenig Bedeutung beigemessen. Im Administrations- und Servicebereich gebe es oft wenig Handlungsspielraum und Führung werde nicht strategisch angegangen. Auch sei die Zielgruppe der Führungskräfte an Hochschulen oft nicht klar definiert, woraus ein unklares Rollenverständnis resultiere.

Die Aufgaben von Führungskräften sind laut Scharff vielfältig – dazu gehören beispielsweise die strategische Führung, also Ziele und Werte zu benennen, Ressourcenentscheidungen zu treffen, Zusammenarbeit zu gestalten oder Personalentwicklung voranzutreiben. Auch die Erwartungen an Führungskräfte seien divers – von einem respektvollen Umgang, Ehrlichkeit, Wertschätzung zu einer kritischen Reflexion der Arbeitsergebnisse. Auf Nachfrage, was in seinen Augen bei der Vielzahl an Aufgaben und Erwartungen eine Führungsposition dennoch attraktiv machen würde, antwortete der Experte:

„Für mich war es immer ein großes Glück zu gestalten und viele interessante Menschen kennenzulernen.“

Prof. Dr. Peter Scharff

Präsent, ehrlich und unabhängig

Einige praktische Ratschläge konnte Scharff aus seiner achtzehnjährigen Erfahrung in der Leitung der Hochschule Ilmenau ableiten: Führungskräfte sollten präsent, ehrlich und unabhängig sein. Es gelte die eigenen Kräfte zu konzentrieren, auf die eigene Gesundheit zu achten und gleichzeitig die Bedürfnisse der anderen zu berücksichtigen. Auch eine Vision zu haben und Aufgaben mutig anzupacken, erachtet Scharff unter anderem als wichtige Aspekte von Führung.

Ein kleiner Exkurs zu Thema Achtsamkeit rundete den Vortrag ab. Auch hier spielte die Offenheit und Empathie für die Bedürfnisse anderer eine wichtige Rolle. Unvoreingenommen zu sein und die Aufmerksamkeit auf das zu richten, was das Gegenüber eigentlich sagen will („emotionale Intelligenz“), könnten zu einer guten Zusammenarbeit sehr viel beitragen.

Hochschulpräsident Prof. Dr. Manfred Weisensee zeigte sich ebenso wie die zahlreichen Teilnehmer_innen der Online-Veranstaltung begeistert vom Vortrag: „Insbesondere die persönlichen Erfahrungen von Prof. Scharff machen seine Empfehlungen so wertvoll. Ich nehme aus dem Vortrag und der Diskussion sehr viel mit für meine tägliche Arbeit.“

Über den Referenten

Prof. Dr. Peter Scharff war langjähriger Rektor der Technischen Universität Ilmenau und ist dort aktuell Fachgebietsleiter Chemie am Institut für Chemie und Biotechnik. In seiner Zeit als Rektor etablierte er den Kerngedanken einer „Campus-Familie“ im Leitbild der TU Ilmenau. Dahinter steht der Wunsch nach einer offenen und gemeinschaftlichen Universität, an der gerne gearbeitet und studiert wird.

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