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Nachhaltiges Bauen auf der Insel Spiekeroog

Studierende erarbeiten mit agiler Didaktik zukunftsorientierte Bau-Projekte

Insellage, salziges Klima, wenig Platz zum Bauen: In einem interdisziplinären Lehr-Lernmodul haben Studierende der Architektur, des Bauwesens und der Geoinformationswissenschaften der Jade Hochschule zukunftsorientierte Bau-Projekte für die Insel Spiekeroog erarbeitet. Im November besuchten sie zur Vorort-Recherche die Insel, im Verlauf des Semesters entwickelten sie in interdisziplinären Teams ihre Projektideen weiter und überarbeiteten sie hinsichtlich des architektonischen Konzepts, des Standorts, der Konstruktion und der Baukosten. Unterstützt wurden die Studierenden dabei von Prof. Anja Willmann (Architektur), Prof. Dr. Roland Pesch (Geoinformation) und Prof. Dr. Sebastian Hollermann (Bauwesen).

Zukunftsorientierte Bauprojekte auf der Insel

Durch die Insellage mit den besonderen Logistikbedingungen der Fährverbindung und dem fehlenden klassischen Autotransport vor Ort waren Nachhaltigkeitsthemen besonders wichtig – sei es in Bezug auf den Materialbedarf, eine möglichst geringe Rohstoffanlieferung und einen Bauprozess vor Ort, der sich mit kleinen Baumaschinen bewältigen lässt. Dazu müssen alle erarbeiteten Konstruktionen dem Anspruch der Maßstäblichkeit der Insel entsprechen und dem salzigen Klima möglichst lange standhalten. Zudem bot die Standortwahl einige Herausforderungen, da fast die ganze Insel Naturschutzgebiet ist. Daher befinden sich die Projekte auf den wenigen bebaubaren Flächen, etwa dem neuen Bebauungsgebiet oder, mit sehr kleinen notwendigen Eingriffen, in der Naturschutzzone - wie zum Beispiel der Vogelbeobachtungsturm mit Lernräumen.

Collage der Projekte: Hanaa Mohammad
Collage der Projekte: Hanaa Mohammad

Die Gruppe „Wat(T) op dat Water“ beispielsweise hat sich die Insellage für ihr Projekt einer schwimmenden Lernwerkstatt zunutze gemacht und erzeugt mittels Stroms aus dem Kalkstein im Meer sogenannten Biorock direkt im Wattenmeer für die Fassade ihres Gebäudes. Außerdem entstanden Tiny Houses für die Hermann-Lietz-Schule als Wohnraumerweiterung, eine Sternwarte für die Schule in komplett demontierbarer Zeltkonstruktion, eine möglichst kostengünstige und dank Holzbau in hohem Maße vorgefertigte Erweiterung für einen Seminarraum für die CVJM Jugendherberge und der Umbau des Seenotretterhauses in ein Café mit Angestelltenwohnungen im Obergeschoss. Die stark schwankenden Bewohnerzahlen der Insel Spiekeroog in der Winter- bzw. Sommersaison bilden eine weitere Herausforderung, da es vor allem an Wohnraum für die saisonalen Angestellten mangelt. Diesem Thema haben sich zwei Projektgruppen gewidmet, die im Bereich des zukünftigen Neubaugebietes Bebauungspläne und dazugehörige Haustypologien mit Erweiterungsmöglichkeiten für Homeoffice-Arbeitsplätze und/ oder extern vermietbarem Wohnraum für Angestellte geschaffen haben.

 

Screenshot der Endpräsentation: Anja Willmann
Screenshot der Endpräsentation: Anja Willmann

Interdisziplinäre Zusammenarbeit - Double-Diamond-Methode

Die Vielfalt der Projekte ist ein Ergebnis der agilen Didaktik, die in diesem Modul zum Einsatz kam: Nach eingehender Analysephase vor Ort haben die Studierenden interdisziplinäre Gruppen gebildet, sodass jeweils die Geowissenschaften, die Architektur und das Bauingenieurwesen in jeder Projektgruppe vertreten war. Die grundlegenden Projektideen entstanden vor Ort. Wieder zurück an der Jade Hochschule haben die Gruppen sowohl fachliche Unterstützung in den einzelnen Disziplinen erhalten als auch interdisziplinäres Feedback der Projektgruppen untereinander, um die Projekte während der Bearbeitung weiter zu entwickeln. Die Methodik ist als Double-Diamond-Methode bekannt.

„Durch die freie Projektwahl konnte man sich mit der Problematik vor Ort gut beschäftigen und selbst etwas für die Insel Spiekerkoog entwickeln. Es hat geholfen, dass man sich in der interdisziplinären Gruppe austauschen konnte und so einen Entwurf erschaffen hat, der für alle eine Bereicherung sein könnte.“

Rüdiger Warnecke, Masterstudiengang Architektur

Die Studierenden stellten ihre Ergebnisse im Januar einer externen Jury vor - aufgrund der Corona-Pandemie in digitaler Form. Zu den Jurymitgliedern zählten neben den Insulanern Matthias Piszcan, ehemaliger Bürgermeister, Swantje Fock, Leiterin des Nationalparkzentrums und Florian Fock, Leiter der Hermann-Lietz-Schule, weiterhin Prof. Dr. Volker Droste, der 2021 u.a. Vorsitzender des Architekturwettbewerbs um die neue Strandhalle auf Spiekeroog war, Andreas Gollenstede als Geowissenschaftler und Sina Hage als interdisziplinär arbeitende Wissenschaftlerin. Feedbackschwerpunkte waren: Standort/ Angemessenheit der Insel/ Raumprogramm/ gestalterische Qualität/ Nachhaltigkeit & Naturschutz/ Konstruktionen & Materialien. Basierend auf den Ergebnissen arbeiten Studierende der Kindheitspädagogik der Hochschule Emden/Leer unter der Anleitung von Prof. Dr. Lena S. Kaiser die Projekte mit den Projekten als Lernwerkstätten weiter.

Alle Ergebnisse werden im Anschluss – wie bereits nach der letzten Durchführung des Moduls im SoSe2020 – in einem kleinen Buch veröffentlicht.