Künstliche Intelligenz (KI) gilt für viele Unternehmen noch immer als komplexes Zukunftsthema, das spezielles Know-how und Programmierkenntnisse erfordert. Dass es auch anders geht, zeigte der jüngste Jade Dialog am Campus Wilhelmshaven: Unter dem Titel „Highspeed-Innovation mit KI“ wurde deutlich, wie niedrigschwellig sich KI bereits heute in Innovationsprozesse integrieren lässt und wie stark sie deren Tempo verändert.
Die Veranstaltung entstand in Kooperation der Jade Startup Box mit der JadeBay GmbH Entwicklungsgesellschaft sowie dem KMU-Netzwerktreffen der Wirtschaft Wilhelmshaven. Rund 40 Teilnehmende aus Wirtschaft und Hochschule kamen zusammen, um Impulse für die eigene Praxis mitzunehmen.
KI als kreativer Sparringspartner
Im Mittelpunkt stand der Impulsvortrag von Prof. Dr. Christian Hinrichs, Professor für Wirtschaftsinformatik und Digital Business an der Jade Hochschule. Er skizzierte KI nicht als Ersatz für menschliche Kreativität, sondern als produktiven Mitspieler im Innovationsprozess. Besonders im Design Thinking könne KI als „kreativer Sparringspartner“ fungieren, Ideen strukturieren, weiterdenken und in konkrete Umsetzungsschritte überführen.
Der Effekt: Innovationszyklen verkürzen sich drastisch. Was früher umfangreiche Ressourcen und große Entwicklungsteams erforderte, lässt sich heute in deutlich kürzerer Zeit anstoßen. Innovation, so wurde an diesem Abend deutlich, ist längst nicht mehr das Privileg von Großkonzernen.
Vom Konzept zum Prototyp in Echtzeit
Wie rasant sich diese Verschiebung vollzieht, demonstrierte Tammo Oehl, Innovationsmanager bei der JadeBay GmbH, live auf der Bühne. Während er die Geschäftsidee „Durch die Blume gesagt“ vorstellte, arbeitete die KI bereits im Hintergrund an der technischen Umsetzung.
Die Anwendung basiert auf dem sogenannten Floral Code: Eine Botschaft wird in passende Blumensträuße übersetzt – ein praktischer Mehrwert für Kundinnen und Kunden sowie eine Inspirationsquelle für Floristinnen und Floristen. Noch während die Idee erläutert wurde, entstand ein funktionsfähiger Prototyp. Die Geschwindigkeit, mit der aus einer Skizze ein konkretes Produkt wurde, machte die veränderte Dynamik unmittelbar erlebbar.
Neue Rollen in einer veränderten Arbeitswelt
Neben der praktischen Demonstration rückte auch die Frage nach den Auswirkungen auf die Arbeitswelt in den Fokus. KI, so ein zentraler Gedanke des Abends, ersetzt nicht einfach menschliche Arbeit, sondern verändert Rollen. Künftig werde es verstärkt darum gehen, KI-Systeme zu koordinieren, sie strategisch einzusetzen und ihre Ergebnisse zu bewerten.
Zugleich eröffnet KI die Möglichkeit, repetitive oder unliebsame Aufgaben abzugeben. Einige Berufsbilder werden sich grundlegend wandeln oder verschwinden, während neue Tätigkeitsfelder entstehen. Entscheidend sei es, diese Entwicklung aktiv zu gestalten.
Mut zum Ausprobieren
Die Resonanz der Teilnehmenden fiel durchweg positiv aus. Der Abend sei kurzweilig gewesen und habe Menschen mit sehr unterschiedlichen Vorkenntnissen gleichermaßen abgeholt. Besonders die Live-Entwicklung des Prototyps habe gezeigt, wie zugänglich KI inzwischen ist und habe Mut gemacht, selbst erste Schritte zu wagen.
„Wir wollten zeigen, wie KI ohne große Vorkenntnisse einfach zu greifbaren Ergebnissen führen kann. In der Planung kamen wir auf die Idee, live einen Prototyp zu bauen – und freuen uns, dass das von den Teilnehmenden so gut aufgenommen wurde“.
Timo Schliep, Jade Innovationswerkstatt