Prof. Dr. Tanja Grewe an die Jade Hochschule berufen

Schwerpunkt: Überprüfung der Wirksamkeit logopädischer Maßnahmen

Dr. Tanja Grewe wurde Anfang Dezember auf eine Professur für Logopädie an die Jade Hochschule berufen. Sie lehrt und forscht künftig in der Abteilung Technik und Gesundheit für Menschen am Campus Oldenburg und übernimmt die Leitung für den neuen Studiengang Logopädie. Die Jade Welt (JW) fragt nach…

JW: Frau Prof. Dr. Grewe, was hat Sie zum Wechsel an die Jade Hochschule bewogen?

Grewe: Die Jade Hochschule hat sich eine enge Verzahnung zwischen den Ingenieurswissenschaften und den neu entstehenden Studiengängen im Bereich der Gesundheitsfachberufe zum Ziel gesetzt. Dieser transdisziplinäre Ansatz zeigt eine hohe Zukunftsorientierung auf und hat mich besonders angesprochen. Im Studiengang Logopädie werden den Studierenden neben methodischen Lehrveranstaltungen die Schwerpunkte „Aurale Rehabilitation“ und „Technikgestützte, digitale Diagnostik- und Therapieverfahren“ angeboten. Genau darin sehe ich eine große Chance. Aktuelle Verfahren, die hier im Mittelpunkt stehen, erweitern die Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie von Menschen mit Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck- und Hörstörungen grundlegend. Das zeigt sich derzeit mehr denn je. Gerne möchte ich diese Entwicklung gemeinsam mit dem Team der Abteilung Technik und Gesundheit für Menschen der Jade Hochschule in Oldenburg aktiv begleiten und gleichzeitig die Akademisierung der Gesundheitsfachberufe in Deutschland weiter vorantreiben.

JW: Mit welchen Erwartungen und Vorstellungen treten Sie die Professur an?

Grewe: Der Studiengang Logopädie an der Jade Hochschule ist ein additiver Studiengang. Ich freue mich auf Studierende, die bereits eine logopädische Ausbildung abgeschlossen und vor dem Hintergrund eine ganz eigene Sicht auf die Dinge mitbringen. Mein Ziel ist es, bei den Studierenden eine große Neugierde hervorzurufen und neben der Vermittlung anwendungsbezogenen Wissens auch meine Begeisterung für forschungsbezogene Aspekte der Logopädie zu teilen. Die Leitung des Studiengangs Logopädie bedeutet für mich eine attraktive Verbindung von Lehre, Vernetzung mit Praxispartner_innen, Forschung, hochschulischer Verwaltung und bildungspolitischer Arbeit. Ich bin gespannt auf diese vielseitige Aufgabe.

JW: Welche Schwerpunkte möchten Sie in Lehre und Forschung setzen?

Grewe: Ich interessiere mich besonders für die Neurokognition der Sprache. Wie unterscheiden sich physiologische von pathologischen Sprachverarbeitungsprozessen? Was führt zu Unterschieden bei der Sprachproduktion und -rezeption jüngerer und älterer Erwachsener, die keine Vorerkrankung haben, und wie können wir altersbedingten Abbauprozessen am besten entgegenwirken. Welche Möglichkeiten haben wir, die Frequenz unserer Therapie zu erhöhen, indem wir begleitend zur logopädischen Intervention zum Beispiel digitale Möglichkeiten nutzen. Im Rahmen meiner Lehrveranstaltungen und Projektphasen möchte ich die Studierenden ermuntern, Dinge zu hinterfragen, und sie für neue Verfahren in der Logopädie begeistern.

Ein wichtiger Schwerpunkt ist für mich die Überprüfung der Wirksamkeit logopädischer Maßnahmen. Wirksamkeitsnachweise ermöglichen evidenzbasiertes Arbeiten in der Therapie und sind damit relevant für die spätere Kostenübernahme. Im Rahmen eines multizentrischen BMBF-geförderten Forschungsprojekts konnten wir in einem interdisziplinären Team die Wirksamkeit von intensiver Sprachtherapie bei Menschen mit chronischer Aphasie (Sprachstörung) international erstmalig auf dem höchsten Evidenzlevel nachweisen. Aus der Studie ist auch ein Leitfaden für die intensive Sprachtherapie hervorgegangen, den wir 2020 publizieren konnten.

Den Studierenden möchte ich einen Einblick in solche anwendungsbezogenen Projekte geben, so dass sie den Weg von der Idee über die Entwicklung bis hin zur Evidenzbasierung neuer Verfahren miterleben und aktuellen Methoden auch nach dem Studium mit einer großen Neugierde und Offenheit begegnen.

Prof. Dr. Tanja Grewe (Foto: Fotostudio Idstein)
Prof. Dr. Tanja Grewe (Foto: Fotostudio Idstein)

Werdegang

Nach einem Studium der Klinischen Linguistik an der Universität Bielefeld arbeitete Tanja Grewe mehrere Jahre sprachtherapeutisch im Bereich der neurologischen Akutklinik, der Frührehabilitation und Rehabilitation. 2006 promovierte sie als Stipendiatin der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Fachgebiet Neurolinguistik an der Philipps-Universität Marburg und verbrachte anschließend eine kurze PostDoc-Phase am Max-Planck-Institut für kognitive Neurowissenschaften in Leipzig. 2007 wechselte Tanja Grewe zur Hochschule Fresenius nach Idstein. Im Jahr 2008 übernahm sie dort eine Professur für Neurogene Sprachstörungen und war zunächst stellvertretende Studiendekanin des Studiengangs Logopädie in Idstein und später Programmverantwortliche Studiendekanin Logopädie für die Standorte Idstein und Hamburg. Zum 1. Dezember 2020 folgte die 43-jährige dem Ruf an die Jade Hochschule und lebt nun mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Oldenburg.

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