Zum 1. Februar wurde Prof. Dr.-Ing. Thomas Willemsen an die Jade Hochschule auf die Professur für Ingenieurgeodäsie und Industrielle Messtechnik am Fachbereich Bauwesen Geoinformation Gesundheitstechnologie am Campus Oldenburg berufen. Die Jade Welt (JW) fragt nach…
Willemsen: Bereits im Jahr 2005 entschied ich mich für ein Studium der Angewandten Geodäsie an der damaligen Fachhochschule Oldenburg.
Um mich akademisch weiterzuentwickeln und letztlich meinen beruflichen Wunsch – die Übernahme einer Professur – zu verwirklichen, führte mich mein Weg zunächst zur Promotion an die HafenCity Universität Hamburg und anschließend auf eine Professur nach Neubrandenburg. Die dortige Tätigkeit habe ich sehr geschätzt; für meine Familie blieb jedoch weiterhin Oldenburg unser Lebensmittelpunkt. Ziel war es daher stets, Familie und Beruf auch räumlich wieder zusammenzuführen. Mit dem Wechsel an die Jade Hochschule ist uns dies nun in einer vertrauten und geschätzten Umgebung gelungen.
Mit der Jade Hochschule verbindet mich seit Langem eine enge Beziehung: Aus meinem eigenen Studium, aus meiner Tätigkeit als Lehrbeauftragter sowie aus einer früheren, kurzzeitigen Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter sind mir die Strukturen, die Geo-Institute sowie viele Kolleginnen und Kollegen bestens vertraut. Umso mehr freue ich mich, nun wieder Teil dieser Hochschule zu sein.
JW: Mit welchen Erwartungen und Vorstellungen treten Sie die Professur an?
Willemsen: Durch meine mehrjährige Erfahrung als Professor an einer Fachhochschule gehe ich mit realistischen Erwartungen an meine neue Aufgabe heran.
Da ich das Aufgabenspektrum bereits gut kenne, freue ich mich darauf, meine Erfahrungen lösungsorientiert und im konstruktiven Austausch einzubringen. Besonders wichtig ist mir dabei ein freundliches, wertschätzendes und offenes Miteinander. Aus meiner Sicht bildet dies die Grundlage für ein funktionierendes Arbeitsumfeld, in dem Herausforderungen gemeinsam angegangen und Lösungen konstruktiv entwickelt werden können.
Im Bereich der Ingenieurgeodäsie und der Industriellen Messtechnik sehe ich zudem weiteres Potenzial, um die Lehr- und Forschungsbedingungen gezielt weiterzuentwickeln. Hier möchte ich ansetzen und dabei stets die aktuellen sowie zukünftigen Anforderungen der Praxis im Blick behalten.
Eine besondere Motivation liegt für mich in der Ausbildung des ingenieurwissenschaftlichen Nachwuchses. Studierende zukunftsorientiert, praxisnah und mit Begeisterung für das Fachgebiet der Ingenieurvermessung auszubilden, ist mir ein großes Vergnügen. Der regelmäßige Austausch mit Absolventinnen und Absolventen auf Messen und Fachveranstaltungen zeigt mir immer wieder, wie vielfältig und spannend das Berufsfeld der Geodäsie ist.
JW: Welche Schwerpunkte möchten Sie in Lehre und Forschung setzen?
Willemsen: In der angewandten Forschung beschäftige ich mich seit vielen Jahren mit der Multi-Sensor-Fusion, insbesondere mit Low-Cost-Sensorik. Der Fokus liegt dabei auf aktuellen Fragestellungen im Maschinenbau und im Bauwesen, beispielsweise im Bereich der Zustandsüberwachung von Brückeninfrastrukturen.
Während meiner Promotionszeit an der HafenCity Universität Hamburg habe ich mich intensiv mit Location-Based-Services, insbesondere mit der Innenraumpositionsschätzung, auseinandergesetzt. Dabei kamen Kombinationen aus Low-Cost-Sensoren und Fusionsalgorithmen zum Einsatz, um kostengünstige und praxistaugliche Lösungen zu entwickeln. Die Übertragung dieser Konzepte auf Fragestellungen der Ingenieurgeodäsie und der Industriellen Messtechnik stellt für mich einen besonders spannenden Ansatz dar.
Neben der Sensorfusion auf Hardware-Ebene (nicht ausschließlich Low-Cost) zählen insbesondere Fusions- und Filteralgorithmen zu meinen Forschungsschwerpunkten, darunter Kalman-Filter und Partikelfilter, sowie der Einsatz lernender Algorithmen.
An der Jade Hochschule strebe ich einen interdisziplinären Austausch an, der an meine genannten Interessensgebiete anknüpft und die Entwicklung praxisnaher Lösungen ermöglicht. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit und bin gespannt auf die Themen, die wir künftig gemeinsam bearbeiten werden.
In der Lehre sehe ich zwei klassische Schwerpunkte: Zum einen die Vermittlung fundierten Grundlagenwissens als Basis für die ingenieurwissenschaftliche Tätigkeit. Zum anderen müssen wir uns bewusst sein, dass wir die Ingenieurinnen und Ingenieure von morgen ausbilden. Aktuelle und zukünftige Herausforderungen sollten daher ebenso Bestandteil der Lehre sein. Eigene Forschungsaktivitäten bieten hierbei einen großen Mehrwert, da Studierende über Seminare sowie Projekt- oder Gruppenarbeiten aktiv in diese Fragestellungen eingebunden werden können. So werden sie frühzeitig an forschungsnahe und moderne Arbeitsweisen herangeführt.