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„Genau hier bin ich im eigenen Stärken-Modus“

Neuberufung: Prof. Dr. Pia Lehmkuhl im Gespräch

Zum 1. November wurde Dr. Pia Lehmkuhl an die Jade Hochschule auf die Professur für Unternehmensführung, Personal und Kommunikation berufen. Sie lehrt und forscht in der Abteilung Bauwesen am Fachbereich Bauwesen, Geoinformation & Gesundheitstechnologie am Campus Oldenburg. Die Jade Welt (JW) fragt nach…

JW: Frau Lehmkuhl, was hat Sie zum Wechsel an die Jade Hochschule bewogen?

Lehmkuhl: Wissenschaftliches Arbeiten und insbesondere die Lehre haben mir seit jeher große Freude bereitet. Nach einer gewissen Zeit im Wissenschaftsbetrieb habe ich mich jedoch bewusst dafür entschieden, diesen zunächst zu verlassen und Erfahrungen außerhalb der Wissenschaft zu sammeln. Mir war wichtig, meine theoretischen Kenntnisse in der Praxis zu erproben und den sprichwörtlichen Blick über den Tellerrand zu wagen. Dieser Weg führte mich in unterschiedliche Positionen mit Fach- und Führungsverantwortung – vom Hochschul- und Wissenschaftssektor aus weiter in kleine- und mittelständische Unternehmen und schließlich in Konzernstrukturen. Der Bezug zur Wissenschaft allerdings ist dabei durch die Wahrnehmung von Lehraufträgen, die Betreuung von Abschlussarbeiten oder aber dem Verfassen von Publikationen nie abgerissen. Ich hatte das Gefühl, genau in diesen Tätigkeiten im eigenen Stärken-Modus zu sein.

Mich in der neuen Rolle nun wieder ganz der Lehre und angewandten Forschung widmen zu dürfen, empfinde ich als großes Privileg. Die Jade Hochschule hat mich dabei besonders durch ihre starke Anwendungsorientierung überzeugt. Zudem bin ich in Oldenburg geboren und habe hier auch meinen Lebensmittelpunkt. Junge Menschen aus der Region für die Region auszubilden, das ist für mich ein echter Mehrwert – und genau dafür möchte ich mich engagieren.

Prof. Dr. Pia Lehmkuhl (Bild: Foto- & Bilderwerk Oldenburg)
Prof. Dr. Pia Lehmkuhl (Bild: Foto- & Bilderwerk Oldenburg)

JW: Mit welchen Erwartungen und Vorstellungen treten Sie die Professur an?

Lehmkuhl: Ich trete die Professur mit viel Gestaltungswillen an! Mein zentrales Anliegen ist es, dass sich Studierende an der Jade Hochschule gut aufgehoben fühlen und sich in ihrer Studienentscheidung bestärkt wissen.

Die Rahmenbedingungen sind dabei anspruchsvoll: Die Konkurrenz auf dem Bildungsmarkt ist hoch. Umso wichtiger ist es mir, dass die Jade Hochschule weiterhin als eine Institution wahrgenommen wird, die wissenschaftliche Expertise mit fundierter Praxiserfahrung verbindet – und dabei eine klare, persönliche Handschrift trägt. Für mich liegt die besondere DNA der Jade Hochschule in ihrer Interdisziplinarität, der regionalen Vernetzung und der großen Nahbarkeit der in ihr handelnden Menschen. Genau diese Qualitäten möchte ich mit meiner eigenen Perspektive weiterentwickeln.

Ich sehe allerdings auch noch weitere große Herausforderungen: Der rasante Fortschritt der Künstlichen Intelligenz beispielsweise beeinflusst den Hochschulalltag in einem zuvor nicht gekannten Ausmaß. Und auch die großen Fragen der ökologischen, sozialen und gesellschaftlichen Nachhaltigkeit gewinnen zunehmend an Bedeutung.

In einer Zeit, in der viele unserer Gewissheiten und Kontinuitäten ins Wanken geraten, ist es mir ein Anliegen, Studierende nicht nur fachlich, sondern auch menschlich zu begleiten – und sie in ihrer Rolle als zukünftige Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger in einer zunehmend komplexeren Welt zu stärken.

JW: Welche Schwerpunkte möchten Sie in Lehre und Forschung setzen?

Lehmkuhl: Die Denomination der Professur „Unternehmensführung, Personal & Kommunikation“ ist weit gefasst. Zudem mag sie angesichts ihrer Verortung im stark ingenieursgeprägten Fachbereich Bauwesen, Geoinformation & Gesundheitstechnologie (BGG) zunächst verwundern und als Exot wahrgenommen werden.

Meine Überzeugung allerdings ist klar: (Bau-)Projekte scheitern in den seltensten Fällen an Technik oder Tools, sondern meist am Faktor Mensch. Unklare Rollen, mangelnde Erwartungsklärungen und nicht gelungene Kommunikation führen zu Konflikten, Verzögerungen und Mehrkosten – und im schlimmsten Fall zum Scheitern ganzer Vorhaben.

Genau hier möchte ich ansetzen und die Curricula sinnvoll anreichern. In der Lehre ist es mir wichtig, Studierende dafür zu sensibilisieren, dass ihr Auftreten, ihre Kommunikation und ihr Führungsverständnis einen entscheidenden Unterschied machen können.

In der Forschung liegen meine Schwerpunkte insbesondere in der strategischen Personal- und Organisationsentwicklung sowie in Transformationsprozessen. Themen wie Dekarbonisierung, Digitalisierung, demografischer Wandel und vieles mehr bringen in den kommenden Jahren viele Veränderungen mit sich – und sie erfordern erhebliche Investitionen. Weitgreifende Transformationsvorhaben haben allerdings nur in den Fällen eine Chance auf Umsetzung, in denen sie kommunikativ begleitet werden und auf gesellschaftliche wie organisationale Akzeptanz stoßen. An genau dieser Schnittstelle zwischen Technik, Organisation und Kommunikation möchte ich sowohl in der Lehre als auch in der Forschung Akzente setzen und einen Beitrag zur Verständigung unterschiedlichster Interessens- und Anspruchsgruppen leisten.

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