| Presse und Image-Marketing

Wissenschaftler der Jade Hochschule leisten Ermittlungshilfe

IAPG unterstützt Polizei in Sachsen-Anhalt beim Aufspüren einer Leiche

Oldenburg.Stendal. Ein ungewöhnlicher Anruf erreichte im März das Institut für Angewandte Photogrammetrie und Geoinformatik (IAPG) an der Jade Hochschule: Die Polizei Stendal bat um Mithilfe im Vermisstenfall der 19-jährigen Kezhia H. aus Klötze in Sachsen-Anhalt. Kezhia war am 4. März auf dem Weg zu einem Bundesligaspiel in Wolfsburg. Dort kam sie nicht an. Seitdem wurde die begeisterte Freizeitfußballerin und Fußballschiedsrichterin vermisst. Die Polizei konnte einen Tatverdächtigen ermitteln und fand in dessen Auto einen Fahrtenschreiber. Ihre Vermutung: Die Auswertung der Daten aus dem Fahrtenschreiber könnte Erkenntnisse darüber liefern, wo sich Kezhia befindet.

Sekundengenaue Geschwindigkeitsdaten und Zeitangaben erhielten die Wissenschaftler aus dem Fahrtenschreiber. Es fehlten jedoch Ortsangaben über GPS. Die mehrköpfige Arbeitsgruppe am IAPG wertete diese Daten aus und kombinierte sie mit Zeugenaussagen, die das Auto des Tatverdächtigen beobachtet hatten.

„Ziemlich schnell zeigte sich, dass ein vollständig automatisches Verfahren aufgrund der Fahrweise und der Fahrrouten in kurzer Zeit keine Lösung bringen konnte.“

Prof. Dr. Thomas Brinkhoff

Die Arbeitsgruppe entwickelte stattdessen ein interaktives Verfahren, das mithilfe von Geoinformationssystemen und Geodatenbanken die Konstruktion und Überprüfung von Routen auf Basis der Daten des Fahrtenschreibers erlaubte.

Das entwickelte Verfahren wurde im weiteren Verlauf durch die Geoinformatiker Jörn Ahlers und Tobias Werner in einer webbasierten Kartenapplikation nutzbar gemacht und um interaktive Elemente erweitert. Mithilfe dieser Anwendung stand eine Plattform bereit, welche die eigenständige Ermittlungsarbeit der Polizei in Stendal bei der Erstellung eines umfangreichen Bewegungsprofils des Fahrzeugs unterstützte. „Das entwickelte Verfahren sollte schnell und möglichst ohne Einstiegshürden nutzbar sein“, erklärt Ahlers. „Darüber hinaus sollten die Ergebnisse in Echtzeit bereitgestellt werden“, ergänzt Werner. Um auch eine Bewertung möglicher Fahrrouten ohne präzise Ortskenntnis des eher ländlich geprägten Raums zu erlauben, reicherten die Wissenschaftler die Plattform abschließend um Daten aus öffentlich zugänglichen Quellen, wie etwa Luftbildern der Landesvermessungsämter, an.

Brinkhoff und seine Kollegen konnten dadurch die Fahrtwege sicher rekonstruieren und das Kieswerk in Bahrdorf (Niedersachsen), in dessen Nähe der Leichnam von Kezhia H. am 20. April gefunden wurde, bestimmen. Die Polizei nahm den Tatverdächtigen noch am gleichen Tag vorläufig fest.

Ansprechpartnerin in der Redaktion

Zum IAPG

Das zur Abteilung Geoinformation gehörende Institut für Angewandte Photogrammetrie und Geoinformatik (IAPG) an der Jade Hochschule beschäftigt sich mit der anwendungsbezogenen Lehre, Forschung und Entwicklung in den Bereichen Photogrammetrie und Geoinformatik. In fünf Arbeitsgruppen werden lehr- und forschungsrelevante Themen bearbeitet. Geoinformatik ist ein Spezialgebiet der Informatik, das sich mit der rechnergestützten Verwaltung und Verarbeitung von räumlichen Daten beschäftigt und wird als Studiengang an der Jade Hochschule angeboten.

Weitere Themen aus der Abteilung Geoinformation:


Besser studieren

Die Jade Hochschule mit ihren drei Studienorten im Nordwesten Deutschlands sieht sich in der Verantwortung für die Entwicklung der Region, in der sie stark verwurzelt ist. Hier trifft ein breites und modernes Fächerangebot auf innovative Formen der Lehre. Die Forschungstätigkeiten der Jade Hochschule zeichnen sich durch einen hohen Praxisbezug aus, die in Kooperation mit Unternehmen, Verbänden und anderen Institutionen sowie Hochschulen und Forschungseinrichtungen durchgeführt werden.