Zukunft des Wohnens auf dem Dorf
Kooperationsprojekt mit der Gemeinde Balje und dem ArL Niedersachsen
Wie wollen wir in Zukunft auf dem Land wohnen? Mit dieser Frage beschäftigten sich im Wintersemester 16 Studierende des Bachelor of Science Urban Design und des Master of Arts Architektur der Jade Hochschule. In enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Balje (Nordkehdingen) und dem Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) Niedersachsen entwickelten und moderierten die Studierenden drei Workshops zu Zukunftsperspektiven des Wohnens auf dem Dorf.
Der Studiengang Urban Design am Campus Oldenburg greift regelmäßig Themen urbaner Räume auf. Im Fokus steht dabei die Frage, wie Dörfer und Kleinstädte zukunftsorientierte Transformationsprozesse gestalten können.
In Balje und Hörne engagieren sich die Dorfmoderator_innen seit einigen Jahren für lebendige Gemeinschaftsorte und eine offene lokale Diskussionskultur. Ein zentrales Thema war zuletzt die Zukunft des Wohnens auf dem Dorf: jüngere Menschen möchten im Ort bleiben, finden jedoch kaum passenden Wohnraum. Gleichzeitig stehen ältere Bewohner_innen vor der Herausforderung, geeignete und bezahlbare Wohnmöglichkeiten für ihre jeweilige Lebensphase zu finden.
Der Ort wird bislang vor allem durch klassische Einfamilienhäuser, Katen und Höfe geprägt. Ziel der Gemeinde war es daher, das Potenzial neuer, anpassungsfähiger Wohnformen auszuloten, die gemeinschaftliche Strukturen stärken und langfristig zur Attraktivität des Dorflebens beitragen können.
Drei Workshops – drei Perspektiven
Aus dieser Zusammenarbeit entstand die Idee, Chancen, Bedarfe und Hindernisse in mehreren Workshops gemeinsam zu erkunden und daraus mögliche Pilotprojekte zu entwickeln. Die Studierenden erarbeiteten zunächst theoretische Grundlagen, analysierten lokale Bedingungen und stimmten sich eng mit den Engagierten vor Ort ab.
Im November vergangenen Jahres führten sie drei Workshops für unterschiedliche Altersgruppen durch:
- U35: Wie sehen junge Menschen das Balje und das Hörne der Zukunft? Was macht das Leben auf dem Land attraktiv und zukunftsfähig?
- Ü70: Welche Wohnerfahrungen prägen die ältere Generation – und welche neuen Wohnformen könnten daraus entstehen?
- 35–70: Welche konkreten Wohnmodelle passen zu einem modernen, gemeinschaftlichen Leben in Balje und wie könnten erste Umsetzungsschritte aussehen?
Aufbauend auf den Ergebnissen entwickelten die Studierenden eine Befragung zur Wohnsituation, die derzeit vor Ort durchgeführt wird. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, konkrete Perspektiven für neue Wohnformen und Nachbarschaftsnetzwerke in Balje und Hörne zu entwickeln. Ab April setzen die lokalen Akteure den Prozess in Arbeitskreistreffen weiter fort.
Für die Studierenden bedeuteten die Konzeption und Durchführung der Workshops eine intensive praktische Erfahrung. Gleichzeitig konnten vor Ort zentrale Themen vertieft und neue Impulse für die zukünftige Entwicklung des Dorfes angestoßen werden.
Inzwischen wurde die Gemeinde Balje aufgrund der zahlreichen lokalen Initiativen eingeladen, sich gemeinsam mit den beteiligten Gemeinden der Initiative „Vier Nordlichter im Land der Gezeiten“ für den European Village Renewal Award zu bewerben – als einziges Dorf aus Niedersachsen. Die Workshops der Jade Hochschule konnten dazu einen Beitrag leisten.
Leitung
Dr. Almut Wolff, Jannik Freese
Konzept und Leitung der Workshops
U35: Lavinia Abels, Lilian Marie Kummer, Sif Tiedemann
35–70: Frederik Jankuhn, Jakub Schumacher, Timo Hanne
Ü70: Jannes Bischoff, Tom Engels
Recherche
Jonas Gronemeyer, Yannick Alexander Walter-Krieger
Umfrage
Catharina Thölken, Jule Blömer
Dokumentation, Mapping, Layout
Annika Bachmann, Hannah Brümmer, Jamie Wruck, Lena Drees
Dank für die Zusammenarbeit
Rike Feil (Bürgermeisterin Gemeinde Balje)
Frank Haferkorn und Burchard von der Decken (Dorfmoderation)
May-Britt Müller (Regionalmanagerin LEADER-Region Kehdingen-Oste)
Lienhard Varoga (Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg)
Karin Kern (Arbeitskreis Dorftreff)