Als erste Professorin an der heutigen Jade Hochschule hat Dana Paral Hochschulgeschichte geschrieben. Sie lehrte in einer Zeit, in der Frauen in technischen Fachbereichen noch absolute Ausnahme waren. Im Interview mit der Jade Welt (JW) blickt sie auf ihren ungewöhnlichen Karriereweg zurück, berichtet von strukturellen Hürden und persönlichen Erfahrungen in einer männerdominierten Disziplin und zieht Bilanz über die Entwicklung von Frauen in Technik und Wissenschaft.
JW: Frau Paral, Sie waren die erste Professorin an der Jade Hochschule und möglicherweise auch eine der ersten Frauen im Bauwesen deutschlandweit. Wie haben Sie diese Rolle damals erlebt und welche Herausforderungen, aber auch Chancen sind Ihnen dabei begegnet?
Dana Paral: Mein Weg zur Professur an der damaligen Fachhochschule Oldenburg verlief nicht ganz glatt. 1978 bewarb ich mich erstmals auf eine Stelle im Stahlbetonbau, kam in die engere Auswahl und hielt einen Probevortrag. Im anschließenden Kolloquium wurden neben fachlichen auch persönliche Fragen gestellt, etwa zur Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung – Fragen, die heute unzulässig sind. Ich wurde damals auf Platz zwei gesetzt, erhielt die Stelle nicht, aber einen Lehrauftrag für Mathematik, den ich mit Freude annahm und als einen Schritt zur weiteren beruflichen Entwicklung ansah.
Von 1979 bis zu meiner Berufung 1982 war ich als Lehrbeauftragte tätig. Bei meiner zweiten Bewerbung wurde mir deutlich gemacht, dass ich keinen „Hausvorteil“ hätte, was für mich allerdings selbstverständlich war. Ich war gut vorbereitet, auch auf kritische Fragen, und wurde schließlich auf Platz eins gesetzt und berufen.
Das Unterrichten machte mir große Freude und ich hatte ein gutes Verhältnis zu den Studierenden. Gleichzeitig wurde ich zu Beginn stark beobachtet – sowohl von Kollegen als auch durch unangekündigte Prüfungsbesuche. In Fortbildungsveranstaltungen für Lehrbeauftragte war ich in den gesamten 1980er Jahren die einzige Frau unter vielen Männern. Die fremden Kollegen haben mich unsicher beobachtet und dann doch angesprochen, ob ich denn eine Sekretärin oder eine Ehefrau sei. Die Reaktion auf meine Antwort, dass ich eine Kollegin mit den Fächern Stahlbetonbau, Baustatik und Mathematik sei, war meist ein ungläubiges Staunen.
„Aus lauter Trotz habe ich bei solchen Veranstaltungen oft ein rotes Kleid angezogen, damit ich unter den Dunkel-Anzug-Trägern noch mehr auffalle.“
Unterstützung durch Kollegen gab es kaum und ich war lange von informellen Netzwerken ausgeschlossen, was die Durchsetzung von Anliegen erschwerte. Erst etwa zehn Jahre später, mit einem Generationswechsel, verbesserte sich die Situation spürbar.
Trotz der Herausforderungen lag meine Stärke in der Lehre. Durch meine Tätigkeit als Frauenbeauftragte wurde ich sichtbarer und schließlich als erste Frau in die Hochschulleitung gewählt. In dieser Funktion initiierte ich unter anderem eine Kooperation mit der TU Prag, die zu intensivem fachlichen und kulturellen Austausch führte und zur Verständigung zwischen beiden Ländern beitrug – ein Engagement, auf das ich bis heute stolz bin.
JW: Sie haben sich insbesondere auch in der Frauenförderung engagiert und waren 1993 als erste Frau Teil der Hochschulleitung. Wie hat sich aus Ihrer Sicht die Rolle von Frauen in technischen Studiengängen und in der Hochschullandschaft seitdem entwickelt?
Paral: Ich habe die Anfänge der institutionalisierten Frauenförderung miterlebt. Trotz Fortschritten steigt der Anteil von Frauen in technischen Professuren nur sehr langsam. Ursache sind weniger fehlendes Engagement als vielmehr festgefahrene gesellschaftliche Strukturen und unzureichende Rahmenbedingungen.
Als ich 1989 zur ersten Frauenbeauftragten der FH Oldenburg bestellt wurde, waren die Aufgaben zunächst kaum definiert. Der gesetzliche Auftrag, bestehende Nachteile für Frauen zu beseitigen, ließ großen Gestaltungsspielraum. Gleichzeitig bot das Amt die Möglichkeit, Ungleichbehandlungen sichtbar zu machen und Veränderungen anzustoßen.
Die Akzeptanz war anfangs gering – sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Studentinnen sahen sich oft nicht benachteiligt, während ich als Frauenbeauftragte unter starkem Rechtfertigungsdruck stand und teils offenem Widerstand begegnete. Täglich musste ich mir immer wieder die gleichen Bemerkungen anhören, wie zum Beispiel: „Wann bekommen wir einen Männerbeauftragten?“ oder: „Was macht man so als Frauenbeauftragte?“. Auch das Herbeirufen des Kanzlers in eine Sitzung und das Einholen seiner Rechtsauskunft, ob meine Teilnahme gesetzlich sanktioniert ist, musste ich mir gefallen lassen. Erst mit der Zeit entwickelte sich mehr Verständnis und auch Unterstützung.
Inhaltlich setzte ich Schwerpunkte, die meiner ingenieurwissenschaftlichen Perspektive entsprachen. Besonders wichtig war mir das Modellprojekt zur Motivation von Frauen und Mädchen für ein Ingenieurstudium. Ziel war es, langfristig mehr Frauen für MINT-Fächer zu gewinnen und so die Basis für weibliche Professuren zu verbreiten. Ergänzt wurde dies durch Maßnahmen wie Qualifizierungsprogramme, Berufungsverfahren, Weiterbildungsangebote und Initiativen zur Verbesserung der Studienbedingungen, etwa bei Kinderbetreuung oder Infrastruktur.
Auch die Vernetzung auf Landes- und Bundesebene sowie die Mitwirkung am Niedersächsischen Hochschulgesetz trugen dazu bei, Frauenförderung strukturell zu verankern. Dennoch blieb die praktische Umsetzung oft mühsam, geprägt von Widerständen, bürokratischen Hürden und fehlender Unterstützung.
Zu den Erfolgen zählen steigende Akzeptanz, mehr Frauen in wissenschaftlichen und administrativen Positionen sowie erste Fortschritte bei Professuren. Gleichzeitig wurde mir durch meine Tätigkeit bewusst, dass Benachteiligung oft subtil wirkt – etwa durch Isolation oder fehlende Netzwerke – und mit größerem Aufwand für Frauen verbunden ist.
Rückblickend steht der hohe persönliche Einsatz nicht immer im Verhältnis zu den erreichten Ergebnissen. Dennoch betrachte ich diese Zeit als große persönliche und berufliche Bereicherung. Das Engagement hat meine Sicht erweitert, mir neue Handlungsmöglichkeiten eröffnet und letztlich auch meinen weiteren Karriereweg bis in die Hochschulleitung mitgeprägt.