Der Studiengang Soziale Arbeit bietet den Studierenden neben dem Betreuungswesen den Studienschwerpunkt Umwelt- und Erlebnispädagogik an. Damit verbindet die Hochschule Ressourcen aus der Region mit dem bildungspolitischen Ruf nach nachhaltigen und erlebnispädagogischen Ansätzen.
Den Studierenden werden in der Vertiefung Umwelt- und Erlebnispädagogik verschiedene Handlungsfelder und Methoden gezeigt, die nicht nur wertvolle Einblicke in die Umweltpädagogik, sondern auch vielfältige Selbst- und Gruppenerfahrungen ermöglichen. In den so genannten Selbsterfahrungen konnten sie zwischen den Feldern „Wiesenpädagogik und Spiritualität“, „Erlebnispädagogik auf dem Segelschiff“ und „Waldpädagogik“ wählen. In diesem Artikel geht es mit der „Lissi“ von Elsfleth nach Kiel.
In fünf Tagen von Elsfleth bis nach Kiel
Es ist der 30. Oktober an Bord des Schulschiffs „Lissi“. Es ist spät und seit Stunden herrscht starker Seegang, Regen und Kälte auf dem Nord-Ostsee-Kanal Richtung Helgoland. Die Lampen in der Schiffsmesse schwanken im Takt der Wellen, die Gläser müssen festgehalten werden. Alle sind müde und erschöpft. Dann ertönt der Ruf „All hands on deck!“ – das Segel muss eingeholt werden. Das heißt schnell in die wasserfesten Sachen, raus und anpacken. Niemand zögert, jeder aktiviert die letzten Kraftreserven.
An Bord der Lissi sind 58 Trainees, viele davon Elsflether Nautikstudierende der ersten Semester und acht angehende Erlebnispädagog_innen der Sozialen Arbeit.
„Diese Selbsterfahrung ist Teil des erlebnispädagogischen Schwerpunktes in der Sozialen Arbeit und mit Abstand der herausforderndste Bestandteil.“
Tina Krentz, Dozentin
Intensive Vorbereitung im Maritimen Kompetenzzentrum
Die Exkursion führte die Studierenden in Kooperation mit dem Fachbereich Seefahrt und Logistik auf einen mehrtägigen Segeltörn an Bord des Segelschulschiffs „Lissi“ von Elsfleth nach Kiel. Bevor die Leinen losgeworfen wurden, stand eine intensive Vorbereitung auf dem Programm. Im Maritimen Kompetenzzentrum absolvierten die Teilnehmenden einen Sicherheitseinweisungskurs, in dem sie den Umgang mit Feuerlöschern, grundlegende Verhaltensregeln an Bord sowie die korrekte Nutzung von Rettungswesten kennenlernten. Anschließend ging es – ausgestattet mit Neoprenanzügen – ins Trainingsbecken des Zentrums, wo unter realitätsnahen Wetter- und Notsituationen verschiedene praktische Seenotrettungsübungen durchgeführt wurden.
Individuelle Bedürfnisse traten in den Hintergrund
Das Leben an Bord folgt einer klar strukturierten Ordnung, in der die sonst übliche Trennung von Arbeit/Studium, Freizeit und Schlaf weitgehend aufgehoben ist. „Der Bordalltag besitzt einen „totalen“ Charakter: Sämtliche Aktivitäten waren unmittelbar auf die Fahrbereitschaft und die Sicherheit des Schiffes ausgerichtet, während individuelle Bedürfnisse in den Hintergrund treten. Das ist ein wesentlicher Punkt, der eines der ursprünglichsten erlebnispädagogischen Handlungsfelder für die Soziale Arbeit so interessant macht.“, erklärt Prof. Dr. Christoph Wand, der mit seiner langjährigen Erfahrung als Kapitän (auch im erlebnispädagogischen Bereich) den Schwerpunkt für den Studiengang Soziale Arbeit mit konzipierte.
Arbeitsteilung und Herausforderungen an Bord
Explizite formale Regeln und implizite Erwartungen sorgen für eine konsequent gleiche Behandlung aller Beteiligten. An Bord übernahmen die Studierenden vielfältige Aufgaben, wie den Wachdienst sowie die Backschaft, ebenso die Dokumentation der Reise, die Mitarbeit bei Navigation und Sanitätsdienst und die Versorgung der Crew. Darüber hinaus förderte das Leben und Arbeiten auf engem Raum soziale Kompetenzen sowie die persönliche Weiterentwicklung der Teilnehmenden.
„Ich bin über meine Grenzen hinausgewachsen und habe gelernt, dass meine Grenzen nicht gleich die Grenzen anderer sind. Und obwohl jeder andere Grenzen hat und sich alle auf dem Schiff kaum kannten, haben mir der Zusammenhalt, die Unterstützung, die Fürsorge und die Lebensfreude der einzelnen Besatzungsmitglieder gezeigt, dass wir eine starke Gemeinschaft sein können.“
Jelko, Student im 5. Semester der Sozialen Arbeit
Identitätsentwicklung: Von der Ich-Perspektive zum Wir-Gefühl
In diesem Rahmen entwickelt sich zunehmend eine starke Identifikation mit dem Schiff und der Gruppe, die den Wechsel von einer individuellen Ich-Perspektive hin zu einer kollektiven Wir-Haltung fördert. Der reduzierte Alltag an Bord schärft zugleich den Blick für das Wesentliche und lässt Prioritäten neu ordnen.
Die Zusammenarbeit der beiden Fachbereiche Seefahrt und Logistik und Wirtschaft und Gesellschaft ist für Prof. Dr. Wand und Tina Krentz eine sehr wichtige, da hier wertvolle Einblicke in die Studienbereiche der jeweils anderen gegeben werden können, Vorurteile abgebaut werden und Synergien und Freundschaften entstehen.
“Nach Stunden von meterhohen Wellen und körperlichen Strapazen, sind wir eines Morgens mit ruhigem Gewässer und dem kräftigsten Sonnenaufgang belohnt worden. Daraus habe ich gelernt, dass es oft das eigene Durchhaltevermögen ist, das zählt. Denn nach jeder noch so harten Zeit zieht selbst das stärkste Unwetter vorüber und die Sonne beginnt wieder zu strahlen.”
Rieke, Studentin im 5. Semester der Sozialen Arbeit
Soziale Arbeit studieren
Der Studiengang Soziale Arbeit an der Jade Hochschule bietet die Möglichkeit, sich umfassend auf eine Tätigkeit im Sozialwesen vorzubereiten. Dabei werden wissenschaftlich fundierte Fach- und Schlüsselkompetenzen vermittelt, die im Berufsalltag benötigt werden. Dazu zählen unter anderem die Förderung der gesellschaftlichen und sozialen Entwicklung von Menschen, das Eintreten für soziale Gerechtigkeit sowie die Achtung von Menschenrechten und gesellschaftlicher Vielfalt.
Ein Studium der Sozialen Arbeit an der Jade Hochschule befähigt dazu, anspruchsvollen gesellschaftlichen Herausforderungen kompetent und präventiv zu begegnen. Zudem besteht die Möglichkeit, sich in einem der beiden Schwerpunkte Betreuungswesen oder Erlebnis- und Umweltpädagogik zu spezialisieren. Dank praxisorientierter Studieninhalte wird sowohl das notwendige theoretische Grundwissen als auch praktische Methodenkompetenzen sowie eine wertebasierte professionelle Grundhaltung erarbeitet.