Der Studiengang Soziale Arbeit bietet den Studierenden neben dem Betreuungswesen den Studienschwerpunkt Umwelt- und Erlebnispädagogik an. Damit verbindet die Hochschule Ressourcen aus der Region mit dem bildungspolitischen Ruf nach nachhaltigen und erlebnispädagogischen Ansätzen.
Den Studierenden werden in der Vertiefung Umwelt- und Erlebnispädagogik verschiedene Handlungsfelder und Methoden gezeigt, die nicht nur wertvolle Einblicke in die Umweltpädagogik, sondern auch vielfältige Selbst- und Gruppenerfahrungen ermöglichen. In den so genannten Selbsterfahrungen konnten sie zwischen den Feldern „Wiesenpädagogik und Spiritualität“, „Erlebnispädagogik auf dem Segelschiff“ und „Waldpädagogik“ wählen. Im dritten und somit letzten Artikel geht es mit den Studierenden in den Wald.
Raus aus dem Seminarraum, rein in den Wald
„Ich ging in die Wälder, weil ich bewusst leben wollte. Ich wollte das Dasein auskosten. Ich wollte das Mark des Lebens einsaugen! Und alles fortwerfen, das kein Leben barg, um nicht an meinem Todestag Innezuwerden, daß ich nie gelebt hatte.“
Henry David Thoreau (1817–1862), US-amerikanischer Schriftsteller und Philosoph
Es gibt kaum ein erlebnis- und umweltpädagogisches Element, was so vielseitig nutzbar ist, wie der Wald. Er gibt Ruhe und Geborgenheit, Abenteuer und Herausforderungen, ein faszinierendes Netzwerk aus Pflanzen und Lebewesen. Gemeinsam mit Waldpädagoge Christoph Bruns hieß es für die Studierenden: raus aus dem Seminarraum, rein in den Wald. Ziel war der südlich gelegene Wald am Hooksieler Binnentief, der für drei Tage zum Lern- und Erfahrungsraum für die Studierenden wurde – sowohl persönlich als auch im Hinblick auf ihre spätere Arbeit im sozialen Bereich.
Natur erleben und pädagogisch verstehen
Der erste Tag diente dem Ankommen und dem Bewusstwerden dieses vielfältigen Lebensraums. Im Mittelpunkt: die reiche Wissenswelt des Waldes. Die Studierenden lernten einheimische Bäume und Sträucher kennen und sammelten Material für ihre Herbarien. Besonders spannend war das “Wood Wide Web”, in dem die Pilze und ihre Symbiose mit den Bäumen eine wichtige Rolle spielten. Zudem wurde der Methodenkoffer mit zahlreichen Übungen, Bewegungs- und Interaktionsspielen geöffnet, um gerade für Kindergruppen einen spannenden Tag im Wald gestalten zu können.
Eine Teamübung an diesem Tag war der Bau einer Strickleiter, die auf den Jagdsitz des “alten Jägers” in einem Baum führte. Hier arbeiteten die Studierenden als Gruppe handwerklich und organisatorisch zusammen.
„In der Exkursion Wald, die wir während des Schwerpunktes Erlebnis- und Umweltpädagogik absolvierten, durfte ich meine Verbundenheit zur Natur nochmal ganz neu entdecken. Die Gruppendynamiken, die während der verschiedenen Übungen entstanden sind, waren geprägt von guten Gefühlen, Erinnerung an Kindheit und vor allem der Gewissheit, dass man wenig braucht, um viel (gemeinsam) zu schaffen. Es war einfach schön kreativ tätig zu werden und viel mit den Händen zu machen. Ob das ein Leiterbau war, Feuer machen und draußen kochen oder die Konstruktion eines Shelters. Dabei lag der Fokus stets auf Achtsamkeit und darauf, wie wohltuend es ist, von Natur statt von weißen Wänden umgeben zu sein."
Luise-Katharina, 32 Jahre, 5. Semester
Überlebenstraining im selbst erbauten Shelter
Am zweiten Tag wurde es handwerklich und ein bisschen abenteuerlich. Die Studierenden wurden in zwei Gruppen eingeteilt und bekamen ein Szenario aus dem Survival Training. Sie sollten mit einer bestimmten Anzahl an Materialien ein Shelter bauen, in dem die ganze Gruppe vor Wind und Regen geschützt übernachten könnte. Außerdem galt es, in der Umgebung Nahrung und Wasser zu finden. Die größte Herausforderung jedoch war es, mit dem Feuerstahl ein eigenes Feuer zu entzünden.
Für viele Studierende war das Arbeiten mit natürlichen Materialien eine neue Erfahrung. Gleichzeitig wurde deutlich, wie stark solche praktischen Tätigkeiten Selbstwirksamkeit, Teamarbeit und Verantwortungsbewusstsein fördern können.
Ein gemeinschaftliches Highlight war das Kochen am Lagerfeuer. Am Feuer bei warmer Suppe, Stockbrot und Marshmallows blieb Zeit für Austausch, Gespräche und Reflexion in entspannter Atmosphäre. Zum Schluss ging es für die Gruppe in der Dämmerung zurück. Ein mit Lichtern gesäumter Weg sorgte für mystische Stimmung und begleitete die Studierenden in einer Nachtwanderung durch den Wald.
„Die drei Tage der Waldexkursion waren sehr spannend. Ich habe viel erlebt und gelernt. Besonders viel Spaß machten die Teamaufgaben, sei es der Bau eines neuen Hochsitzes oder der Shelterbau. Auch persönlich hat mir diese Selbsterfahrung viel gebracht, sowohl für die Weiterentwicklung meiner beruflichen Identität als auch für die Erweiterung meiner Fähigkeiten und Interessen.“
Lea, 26 Jahre, 6. Semester
Fazit
Der abschließende Seminartag stand ganz im Zeichen der Reflexion. In einem gemeinsamen gestalteten Landart ließen die Teilnehmenden ihre Eindrücke Revue passieren, besonders im Hinblick darauf, welche von ihnen nachhaltig waren und wie sich die erlernten Methoden auf unterschiedliche sozialpädagogische Arbeitsfelder übertragen lassen. Welche pädagogischen Ziele stehen hinter den verschiedenen Übungen? Wie lassen sich solche Methoden später in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen einsetzen? Schnell wurde klar: Waldpädagogik und Survival-Elemente sind mehr als ein Outdoor-Erlebnis. Sie bieten wertvolle Ansätze für Beziehungsarbeit, Persönlichkeitsentwicklung und Gruppenprozesse.
Soziale Arbeit studieren
Der Studiengang Soziale Arbeit an der Jade Hochschule bietet die Möglichkeit, sich umfassend auf eine Tätigkeit im Sozialwesen vorzubereiten. Dabei werden wissenschaftlich fundierte Fach- und Schlüsselkompetenzen vermittelt, die im Berufsalltag benötigt werden. Dazu zählen unter anderem die Förderung der gesellschaftlichen und sozialen Entwicklung von Menschen, das Eintreten für soziale Gerechtigkeit sowie die Achtung von Menschenrechten und gesellschaftlicher Vielfalt.
Ein Studium der Sozialen Arbeit an der Jade Hochschule befähigt dazu, anspruchsvollen gesellschaftlichen Herausforderungen kompetent und präventiv zu begegnen. Zudem besteht die Möglichkeit, sich in einem der beiden Schwerpunkte Betreuungswesen oder Erlebnis- und Umweltpädagogik zu spezialisieren. Dank praxisorientierter Studieninhalte wird sowohl das notwendige theoretische Grundwissen als auch praktische Methodenkompetenzen sowie eine wertebasierte professionelle Grundhaltung erarbeitet.