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Lebenswerte und nachhaltige Infrastrukturen schaffen

Neuberufung: Prof. Dr. Alexander Buttgereit im Gespräch

Dr. Ing. Alexander Buttgereit wurde an die Jade Hochschule berufen. Als Professor für Straßenbau lehrt und forscht er künftig am Fachbereich Bauwesen Geoinformation Gesundheitstechnologie am Campus Oldenburg. Die Jade Welt (JW) fragt nach…

JW: Lieber Herr Buttgereit, was hat Sie zum Wechsel an die Jade Hochschule bewogen?

Buttgereit: Der Wechsel an die Jade Hochschule war für mich mit einem großen Umweg verbunden. Obwohl mich wissenschaftliches Arbeiten im Bereich Verkehr und Umwelt bereits während des Studiums stark interessiert hat, ist es mir damals nicht gelungen nahtlos eine Stelle an einer Hochschule zu finden. Daher habe ich einen alternativen Weg eingeschlagen und habe mein Referendariat im Straßenwesen absolviert. Anschließend bin ich direkt in die Kommunalverwaltung gewechselt und bin vier Jahre Abteilungsleiter beim Rheinkreis Neuss gewesen. Von 2003 bis 2022 habe ich als Abteilungsleiter bei der Stadt Münster im Tiefbauamt gearbeitet. Dort war ich zuletzt für 120 Mitarbeiter_innen verantwortlich, mit denen die Bereitstellung der Verkehrsflächen und -anlagen organisiert und sichergestellt worden ist. Im Einzelnen sind das die Bereiche Straßen- und Kanalbau, Straßenerhaltung, Brückenbau, Smart Mobility und Beleuchtung sowie Innovation und Baustellenkommunikation. In dieser Zeit habe ich auch immer wieder in Forschungsprojekten mitgearbeitet und diese initiiert. Nebenberuflich bin ich seit mehr als zehn Jahren als Lehrbeauftragter an der FH Münster tätig und habe somit nie den Bezug zur Hochschullehre verloren. Irgendwann kam ich auf die Idee, berufsbegleitend eine Promotion zu schreiben und als Thema etwas aus meiner „normalen“ Arbeit zu wählen. Damit knüpfte ich noch einmal an meine ursprünglichen Gedanken des Wissenschaftlichen Arbeitens als Hauptberuf an. Als ich dann die Stellenausschreibung der Jade Hochschule fand, dachte ich: „Versuche es doch einfach mal“ und sieh da, es hat funktioniert. Im Verlauf des Berufungsverfahrens habe ich mehr und mehr gesehen, welch gute Arbeit hier bereits gemacht wird. Das passt sehr gut zu meinen Ideen und Wünschen und dazu möchte ich gerne einen Beitrag leisten.

Prof. Dr. Alexander Buttgereit (Foto: Christian Fliegner)
Prof. Dr. Alexander Buttgereit (Foto: Christian Fliegner)

JW: Mit welchen Erwartungen und Vorstellungen treten Sie die Professur an?

Buttgereit: In meinen mehr als 25 Jahren im Beruf habe ich eine breite Palette an Inhalten bearbeitet und weiterentwickelt. Hinzu kommt meine Tätigkeit bei der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen, bei der ich in verschiedenen Ausschüssen in der Weiterentwicklung der Regelwerke im Straßenbau mitwirke. Hierdurch kann ich mein Wissen aktuell halten sowie viele Kontakte in die Industrie, Wissenschaft und andere Verwaltungen pflegen. Die Arbeit als Professor an der Jade Hochschule gibt mir einerseits die Möglichkeit mein Wissen und meine Erfahrungen weiterzugeben. Ich möchte den Student_innen zeigen, dass es neben den hippen Mobilitätsthemen im Bereich Verkehr noch so viel mehr gibt, was es uns als Gesellschaft ermöglicht, bereits heute resiliente, lebenswerte und nachhaltige Infrastrukturen zu schaffen. Außerdem sollen die Student_innen nach Beendigung des Studiums fach- und sozialkompetente Persönlichkeiten sein und somit sicher und selbstbewusst ihren Berufsweg gehen können. Andererseits möchte ich gerne mit den Kolleg_innen im Fachbereich, aber auch übergreifend, gemeinsam an neuen Themen arbeiten.

JW: Welche Schwerpunkte möchten Sie in Lehre und Forschung setzen?

Buttgereit: Zunächst möchte ich mir einen konkreten Überblick verschaffen, was in der Lehre bereits heute alles läuft. Ändern, rein um des Änderns willen, ist nicht mein Ding. Sicherlich werde ich meine Ideen und Methoden stückweise dort einführen und umsetzen, wo ich es für erforderlich halte. Ich möchte beispielsweise die aktuellen und modernen Elemente des Straßenbaus, des Entwurfs und der Partizipation in die Lehre einbauen. Dabei sollen die Student_innen verstärkt Methoden des agilen Arbeitens und Co-Kreativer Prozesse anwenden, die in einer modernen Arbeitswelt obligatorisch sind. Auch Zukunftsfragen wie die Herausforderungen des demografischen Wandels, Nachhaltigkeitsaspekte im Verkehrswesen oder die Folgen der klimatischen Veränderung werden wir bearbeiten. Zudem werden in meinen Lehrveranstaltungen die Digitalisierung, die BIM-Methode über den Lebenszyklus der Infrastruktur sowie das Asset Management und das Risk Management eine Rolle spielen.

Aktuell bin ich noch in zwei Forschungsprojekten gebunden, in denen diese Themen bereits erforscht werden. Darüber hinaus gibt es weitere Forschungsideen, wie die Entwicklung von neuen nachhaltigeren Asphalten für die Mobilität und das Klima von morgen, die Anwendung der BIM-Methode und des Digitalen Zwillings zum Beispiel in der Verkehrssicherheitsarbeit oder im Asset Management. Auch neue ÖPNV-Konzepte für die Stadt-Land-Verbindung im ländlich geprägten Raum oder die Frage, wie wir eine Mobilität und Gestaltung des öffentlichen Raums schaffen, die exklusiv inklusiv ist, also Teilhabe ermöglicht, statt zu separieren und auszugrenzen, könnten Forschungsansätze sein. wären weitere Forschungsansätze. Die Partner für diese Projekte sind zum Teilschon vorhanden, aber die richtige und ausreichende Finanzierungsquelle sowie Personal müssen noch gefunden und erschlossen werden.

Ziel ist es auf jeden Fall, den Bereich Verkehr an der Jade Hochschule weiter nach vorne zu holen, ihm ein prägendes Gesicht zu geben und zu einer Marke über die Region hinaus zu entwickeln. Das mache ich natürlich nicht alleine, sondern gemeinsam mit meinem Kollegen Rainer Schwerdhelm, dessen Erfahrungen eine wertvolle Hilfe sind. Zusammen werden wir das rocken!

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