| Presse & Kommunikation

Psychosoziale Folgen durch Hörbeeinträchtigungen reduzieren

Sybille Seybold schließt Promotion erfolgreich ab

Oldenburg. Sybille Seybold hat jetzt ihre Promotion zum Thema „Entwicklung des Kommunikationstrainings ‚Zusammen Aktiv Kommunizieren‘ für Erwachsene mit Hörbeeinträchtigung und Bezugspersonen“ erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen des Forschungsschwerpunktes Hören im Alltag Oldenburg (HALLO) promovierte sie am Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik der Universität Oldenburg in Kooperation mit der Jade Hochschule, Abteilung Technik und Gesundheit für Menschen und betreut durch Prof. Dr. Frauke Koppelin.

Negativen Auswirkungen von Hörbeeinträchtigung entgegenwirken

Hörbedingte Schwierigkeiten in der Kommunikation ziehen psychosoziale Folgen wie Ermüdung, Angst, Rückzug, Isolation und Enttäuschungen bei Personen mit Hörbeeinträchtigung nach sich. Auch zeigen Studien negative emotionale Auswirkungen bei den betroffenen Bezugspersonen. Gleichzeitig besteht ein Mangel an deutschsprachigen Kommunikationstrainings für die ambulante Versorgung von Personen mit Hörbeeinträchtigung. Seybold erarbeitete in ihrer Promotion daher eine deutschsprachige Version eines Kommunikationstrainings, welches ursprünglich aus Australien stammt, um diesem Bedarf entgegenzuwirken.

„Das Kommunikationstraining stellt eine wichtige Ergänzung zum bisherigen Versorgungsangebot dar. Betroffene Personen finden Raum, sich in der Gruppe zu bestehenden hörbedingten Schwierigkeiten in der Alltagskommunikation auszutauschen und voneinander zu lernen.“

Dr. Sybille Seybold

Sie werden in einer Kombination aus Informationen und Übungen geschult, aktiv Einfluss nehmen zu können. Bezugspersonen erfahren, wie sie selbst die Alltagskommunikation unterstützen können, sodass die aktive Rolle im Umgang mit der Hörbeeinträchtigung nicht allein auf die Personen mit Hörbeeinträchtigung reduziert wird.

Bei dem von Seybold entwickelten Kommunikationstraining handelt es sich im Bereich der Auralen Rehabilitation um einen verhaltensbezogenen Ansatz, der die Kommunikation bei bestehender Hörbeeinträchtigung effektiver gestalten soll. Das Kommunikationstraining vermittelt Strategien im Gruppensetting, sodass die erlernten Inhalte gleich in der Gruppe angewendet werden können.

Positive Ergebnisse durch die Kursteilnahme

Nach dem Kommunikationstraining zeigt sich, dass die Teilnehmenden neu erlernte Strategien häufiger nutzen. Ebenfalls konnte Seybold erheben, dass die Akzeptanz der eigenen Hörbeeinträchtigung und die Selbstwirksamkeit im Umgang mit erlebten Hörschwierigkeiten steigen. Bezugspersonen gaben an, dass sie Verbesserungen in der eigenen Kommunikation, in der Kommunikation des Partners als auch in der Paarkommunikation feststellten. Darüber hinaus gaben sie an, sich emotional durch die Teilnahme entlasteter zu fühlen. Seybold passte das Kommunikationstraining nicht nur sprachlich an, auch nahm sie eine Anpassung an den soziokulturellen Raum vor. Eine zentrale Weiterentwicklung des Kommunikationstrainings liegt in der Ausweitung des Kursmaterials für Partner, Familie und Freunde, die durch diese Anpassung gestärkt eingebunden werden sollen. Das Kommunikationstraining soll zukünftig durch Folgestudien und Schulungen von Fachpersonen Verbreitung in der ambulanten Versorgung von Hörstörungen finden.

Ansprechpartnerin in der Redaktion

Zur Person

Dr. Sybille Seybold absolvierte ihre Ausbildung zur staatlich anerkannten Logopädin an der Schule für Logopädie am Katholischen Klinikum in Koblenz. Nach mehrjähriger Tätigkeit als praktisch tätige Logopädin schloss sie das Studium der Logopädie (B. Sc.) an der Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven an. Es folgte ein Masterstudium Public Health an der Hochschule Emden/Leer. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin beschäftigte sie sich im Forschungsschwerpunkt HALLO mit den Auswirkungen von Hörbeeinträchtigungen auf den Lebensalltag betroffener Personen. Derzeit ist sie als Studiengangskoordinatorin und Lehrende im Schwerpunkt der auralen Rehabilitation und den Gesundheitswissenschaften im Bachelorstudiengang Logopädie am Campus Oldenburg der Jade Hochschule tätig.